Risikotechnologie im Klassenzimmer

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Risikotechnologie im Klassenzimmer

von links: BN-Kreisvorsitzender Reinhard Birkner, Dr. Klaus Scheler, Tagungsleiter Franz Meyerhofer

Vortrag von Dr. Klaus Scheler zu WLAN in Schulen

Der Bund Naturschutz in Bayreuth fordert einen kritischen Umgang mit der WLAN-Technologie in den Schulen und anderen Bildungseinrichtungen. Zur fachlichen Unterstützung für das schwierige Thema luden die Naturschützer in Kooperation mit der Arbeitsgemeinschaft Wohn- und Baubiologie den Physiker Dr. Klaus Scheler aus Heidelberg am 20. April 2018 zu einem Vortrag in das Umweltinformationszentrum Lindenhof ein.
“Im Umgang mit WLAN-Technik vollzieht sich in Bayern gerade eine hundertprozentige Kehrtwendung”, begann der Referent seine Ausführungen. Hatte der Bayerische Landtag im Jahr 2007 noch mehrheitlich dafür gestimmt, auf WLAN in Schulen komplett zu verzichten, empfahl der Beraterkreis für IT-Ausstattungen dem Kultusministerium im Jahr 2013, dass in bayerischen Schulen eine Funkausstattung bereitgestellt werden muss.
“Dabei kann von wissenschaftlicher Seite aus keine Entwarnung zu den gesundheitlichen Risiken der Funktechnik gegeben werden”, stellte Klaus Scheler mit Blick auf die Studienlage fest. Jedoch hat sich WLAN durch die breite Anwendung im privaten und öffentlichen Bereich zu einer scheinbar risikolosen Basistechnologie entwickelt. “Wenn alle es machen, kann die Technik doch nicht schlecht sein”, signalisieren uns Politik und Industrie.

1163 Studien im EMF-Portal fanden Hinweise auf gesundheitliche Risiken

Bei seiner Studienauswahl verwies der Referent auf das EMF-Portal der Uniklinik RWTH Aachen, auf das auch die Bundesregierung zugreift. Mit Stand November 2017 sind 1430 Studien in dieser Daten-bank gelistet, von denen 1163 Arbeiten Hinweise auf gesundheitliche Risiken durch Anwendung der Funktechnik gefunden haben. Der Schwerpunkt der Forschung liegt mittlerweile auf der Zell- und Organebene. Epidemiologische Forschungen machen nur noch einen Anteil von 14% aus. “Auf diesem Gebiet scheint alles erforscht zu sein”, erklärt sich Scheler die Entwicklung. Das Bundesamt für Strahlenschutz und das Umweltbundesamt mahnen zu Vorsorgemaßnahmen bei Mobilfunk, besonders wenn Kinder und Jugendliche betroffen sind. Denn für diese Technologie fehlten noch wissenschaftliche Erkenntnisse hinsichtlich Langzeitwirkungen.

Die Entwicklung von Medienkompetenz in Schulen geht auch ohne WLAN

Der Referent im Lindenhof positioniert sich eindeutig: “Für die Entwicklung von Medienkompetenz in Schulen ist eine Funkverbindung absolut nicht notwendig.” Laptops und Tablets könnten auch per Ethernet-Kabel angeschlossen werden. “Schließlich müssen die Schüler während des Unterrichts nicht herumlaufen und mobil sein.”
Für den Fall, dass die Schulleitung auf keinen Fall auf WLAN verzichten will, hat der promovierte Physiker zwei Handlungsempfehlungen parat: 1) Vorsorge durch Begrenzung der Nutzungsdauer, d.h. der WLAN-Router sollte abgeschaltet werden, wenn im Unterricht kein Bedarf vorhanden ist. 2) Minimierung der Sendeleistung durch dynamische Regelung. In diesem Fall muss das technische Personal in der Schule die Funktechnik nach modernstem Standard auswählen und darauf achten, dass nur soviel Leistung gesendet wird, wie im Unterricht benötigt wird.

Der Bund Naturschutz lud 390 Schulen zum Vortrag nach Bayreuth

Der Bund Naturschutz (BN) lud alle Schulen in Oberfranken zum Vortrag in das Umweltschutzinformationszentrum Lindenhof nach Bayreuth ein. Die Mitarbeiter der Kreisgruppe Bayreuth des BN schickten die Einladung per Email an 390 Grund-, Mittel-, Real-, Wirtschaftsschulen und Gymnasien) in Oberfranken. Insgesamt ging die Nachricht an übertausend Email-Adressen, einschließlich Bundes- und Landtagsabgeordnete und Kommunalvertreter. In ihrem Schreiben verwiesen die Naturschützer unter anderem auf die Empfehlungen des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS).

Das Bundesamt für Strahlenschutz mahnt zur Vorsorge

Die Behörde sieht in Fragen zu gesundheitlichen Risiken noch wissenschaftliche Unsicherheiten und entsprechenden Forschungsbedarf, vorallem in Bezug auf Kinder und Jugendliche. Das BfS empfiehlt daher generell, die persönliche Strahlenbelastung zu minimieren und schlägt folgende Maßnahmen vor:

  • Bevorzugen Sie Kabelverbindungen anstatt Funkverbindung
  • Vermeiden Sie die Aufstellung von zentralen WLAN-Zugangspunkten in unmittelbarer Nähe der Orte, an denen sich Personen ständig aufhalten
  • Falls vorhanden, stellen Sie die Reichenweitenbegrenzung ein, um die maximale Strahlungsleistung zu reduzieren
  • Schalten Sie die Geräte bei Nichtbenutzung ab

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